Deutscher Kaiser von Kini's Gnaden

"Keine Liebe brennt so heiß wie die zwischen Bayern und Preiß"

Bäriger Geschichtsunterricht über den Länderfinanzausgleich

 

Jetzt im Sommer sind unsere Teddybären wieder unterwegs zu den wunderbaren und einzigartigen Schlössern von unserem Kini, König Ludwig II. von Bayern. Doch was müssen sie da erfahren? Unser Kini, der immer nur Frieden wollte, verkaufte im sogenannten Kaiserbrief vom 30. November 1870 seine Ideale an Otto von Bismarck. Ludwig II. gab mit diesem Schreiben, das dem preußischen König Wilhelm I. die Kaiserwürde des neu gegründeten Deutschen Reichs antrug, den Anstoß zur Kaiserproklamation Wilhelms I. im Spiegelsaal von Versailles. Grund: der Kini war pleite und Bismarck zahlte. Korruption schon zu damaligen Zeiten? Doch blicken wir hinter die Kulissen:

 

© Dr. Ursula Fellberg; Teddybären Ludwig II. von Hermann Coburg und Wilhelm I. von Steiff, beide aus der Sammlung Fellberg
© Dr. Ursula Fellberg; Teddybären Ludwig II. von Hermann Coburg und Wilhelm I. von Steiff, beide aus der Sammlung Fellberg

Wilhelm I. zögerte und übernahm das Amt als Deutscher Kaiser nur sehr zögerlich, da er sich in erster Linie als preußischer König verstand. Der damals so mächtige Bismarck konnte daher Wilhelms Zustimmung nur gewinnen, wenn ihn die deutschen Fürsten und freien Städte baten, die Kaiserkrone, „die alte, legitime, seit 1806 ruhende Krone deutscher Nation“, anzunehmen. Dies wiederum konnte nur durch den bayerischen König geschehen, da er – nach dem König von Preußen – als der ranghöchste der Fürsten "klein-deutscher" Nation galt. Also lag alles in den Händen von unserem Kini, der wiederum gar keine Großdeutsche Lösung herbeisehnte.

Aber der Kini war pleite! Ludwig II. war weniger an Regierungsgeschäften als an  Kunst, Kultur und vor allem Architektur interessiert. Dies hatte Tradition in der Familie Wittelsbach, denn schon sein Urgroßvater Maximilian I. und Großvater Ludwig I. hatten große Teile des Staatshaushaltes zum repräsentativen Ausbau Münchens als Residenzstadt verwandt. Ludwigs Schlösser Linderhoff, Neuschwanstein und Herrenchiemsee sowie Schachen belasteten die Finanzen bis aufs Äußerste. Und das wusste der schlaue Bismarck! Er formulierte den sogenannten Kaiserbrief selbst, verzichtete auf die Überbringung durch den Kini selbst - obwohl der doch Versailles so sehr liebte, dass er Herrenchiemsee danach bauen ließ - und zahlte... Die Angaben über die Höhe der an Ludwig getätigten Zahlungen schwanken, aber es scheinen insgesamt etwas mehr als sechs Millionen Goldmark gewesen zu sein.  Kaiser Wilhelm I. durfte von all dem nichts wissen und so "entnahm" Bismarck die Beträge dem 1866 beschlagnahmten Welfenfonds. Dieser soll etwa 42 Millionen Gulden aus dem geschätzten privaten Vermögen des Königshauses von Hannover beinhaltet haben. Wie pikant! Aufgrund der langjährigen Personalunion zwischen dem englischen und hannoverschen Thron war dieses identisch mit dem englischen Königshaus... die Queen dürfte darüber bis heute "not amused" sein. Erst nach Ludwigs Tod und Bismarcks Rücktritt 1890 als Reichskanzler wurden die Zahlungen bekannt. Bismarck erklärte sie zu einem dem Kini gewährten Darlehen, von dem er zu keiner Zeit angenommen habe, dass es zurückgezahlt werde. Oh mei, die haben damals schon gelogen, dass die Balken brechen.

Ob das wirklich von Ludwig so verstanden wurde oder ob er bereits zu diesem Zeitpunkt von seinen Ministern getäuscht wurde... bleibt ein Rätsel. Aber die bärigen Besucherzahlen der Schlösser heute und die damit verbundenen Einnahmen, übersteigen die damals diskutierten Summen bei weitem... soweit zum Finanzausgleich der Länder damals und heute!

 

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